Wiederkehrende Scheideninfektionen: Ursachen und Behandlung

Denis Faoro • 7. August 2026

Wenn Brennen, Juckreiz, veränderter Ausfluss oder Geruch immer wieder zurückkehren, kann das sehr belastend sein - körperlich, im Alltag und in der Sexualität. Bei wiederkehrenden Scheideninfektionen ist es entscheidend, die Ursachen sorgfältig zu erkennen und gezielt zu behandeln, statt Beschwerden wiederholt auf Verdacht selbst zu therapieren. Denn nicht jedes unangenehme Gefühl im Intimbereich ist eine Pilzinfektion.


Wiederkehrende Scheideninfektionen: Ursachen verstehen


Die Scheide besitzt ein fein abgestimmtes Schutzsystem. Milchsäurebildende Bakterien, vor allem Laktobazillen, halten das Scheidenmilieu in einem sauren Bereich und erschweren es krankmachenden Keimen, sich zu vermehren. Gerät dieses Gleichgewicht aus der Balance, können sich Pilze oder bestimmte Bakterien leichter ausbreiten. Auch Reizungen der Haut oder hormonelle Veränderungen können Beschwerden verursachen, die einer Infektion ähneln.


Von einer wiederkehrenden Infektion spricht man, wenn Beschwerden mehrfach auftreten oder trotz Behandlung rasch wiederkommen. Ob tatsächlich immer derselbe Erreger verantwortlich ist, lässt sich ohne Untersuchung jedoch nicht zuverlässig beurteilen. Eine erneute Pilzinfektion, eine bakterielle Vaginose, eine sexuell übertragbare Infektion oder eine Hauterkrankung benötigen unterschiedliche Behandlungen.


Häufige Auslöser und begünstigende Faktoren


Eine Antibiotikatherapie kann die schützende Vaginalflora vorübergehend verändern. Auch eine schlecht eingestellte Zuckerkrankheit, eine geschwächte Immunabwehr, hormonelle Schwankungen in Schwangerschaft, Stillzeit oder Wechseljahren sowie bestimmte Medikamente können Infektionen begünstigen. Bei wiederholten Pilzinfektionen kann es sinnvoll sein, den Blutzucker zu überprüfen und nach weiteren individuellen Risikofaktoren zu fragen.


Daneben spielen lokale Reize eine Rolle: parfümierte Intimprodukte, Scheidenspülungen, Feuchttücher, stark duftende Slipeinlagen oder aggressive Waschlotionen können die Schleimhaut irritieren. Enge, feuchte Kleidung kann Beschwerden verstärken, ist aber selten die alleinige Ursache. Auch Stress, Schlafmangel und Veränderungen im Sexualleben können das Zusammenspiel von Schleimhaut, Immunantwort und Vaginalflora beeinflussen.


Wichtig ist: Wiederkehrende Beschwerden sind kein Zeichen mangelnder Hygiene. Im Gegenteil kann übermässige Intimpflege die natürliche Schutzfunktion beeinträchtigen. Für die äussere Intimregion reicht meist lauwarmes Wasser oder, falls gewünscht, ein sehr mildes unparfümiertes Produkt.


Nicht jede Beschwerde ist ein Scheidenpilz


Ein Scheidenpilz verursacht häufig starken Juckreiz, Brennen, Rötung und einen eher weisslich-bröckeligen Ausfluss. Die Beschwerden können aber von Person zu Person variieren. Eine bakterielle Vaginose führt dagegen häufiger zu dünnflüssigem, grau-weisslichem Ausfluss und einem auffälligen, oft fischartigen Geruch. Juckreiz steht dabei nicht zwingend im Vordergrund.


Auch Trichomonaden, Chlamydien oder Gonorrhö können Ausfluss, Brennen oder Unterbauchbeschwerden verursachen. Nach ungeschütztem Sex mit einem neuen Partner oder bei entsprechenden Symptomen ist eine gezielte Testung besonders wichtig. Hinzu kommen Erkrankungen, die keine Infektion sind: Ekzeme, Kontaktallergien, Hauterkrankungen im Vulvabereich, kleine Schleimhautverletzungen, Blasenentzündungen oder ein Östrogenmangel nach den Wechseljahren können ähnliche Beschwerden auslösen.


Deshalb kann ein frei erhältliches Pilzmittel zwar bei einer eindeutig bekannten, gelegentlichen Pilzinfektion passend sein. Treten die Beschwerden wiederholt auf, verändern sie sich oder bleibt die Wirkung aus, kann eine Selbstbehandlung die richtige Diagnose verzögern. Insbesondere lokal angewendete Präparate können die Schleimhaut zusätzlich reizen.


Wie die gynäkologische Abklärung abläuft


Eine sorgfältige Abklärung beginnt mit einem Gespräch: Wann treten die Beschwerden auf? Besteht ein Zusammenhang mit Antibiotika, Zyklus, Sexualverkehr, neuen Pflegeprodukten oder einer Schwangerschaft? Welche Medikamente und Therapien wurden bereits angewendet, und haben sie geholfen?


Bei der Untersuchung werden Haut und Schleimhaut behutsam beurteilt. Je nach Befund kann der pH-Wert gemessen, ein Nativpräparat unter dem Mikroskop untersucht oder ein Abstrich ins Labor geschickt werden. Bei häufigen, therapieresistenten oder unklaren Beschwerden ist ein Erregernachweis besonders wertvoll. Er kann unterscheiden, ob beispielsweise ein Hefepilz vorliegt, um welche Pilzart es sich handelt und welche Behandlung voraussichtlich wirksam ist.


Ergänzend können Tests auf sexuell übertragbare Infektionen oder Blutuntersuchungen sinnvoll sein. Nicht jede Person braucht alle Untersuchungen. Entscheidend sind Ihre Beschwerden, Ihre Vorgeschichte und Ihre persönlichen Wünsche. Gerade bei einem sensiblen Thema wie wiederkehrenden Intimbeschwerden soll die Untersuchung in einem geschützten, respektvollen Rahmen stattfinden.


Wiederkehrende Scheideninfektionen behandeln: gezielt statt pauschal


Die Behandlung richtet sich konsequent nach der Ursache. Bei einem nachgewiesenen Scheidenpilz kommen je nach Situation lokal wirksame oder einzunehmende Antimykotika infrage. Bei ausgeprägten oder häufig wiederkehrenden Pilzinfektionen reicht eine einmalige Behandlung manchmal nicht aus. Dann kann eine längere, ärztlich begleitete Therapie notwendig werden. Während einer Schwangerschaft gelten besondere Empfehlungen, weshalb eine ärztliche Rücksprache vor der Einnahme von Medikamenten wichtig ist.


Eine bakterielle Vaginose wird in der Regel mit einem gezielt ausgewählten Antibiotikum behandelt. Wiederholt sie sich, braucht es eine individuelle Strategie. Dabei wird auch geprüft, ob eine erneute Infektion, eine unvollständige Erholung der Vaginalflora oder eine andere Ursache hinter den Beschwerden steckt.


Bei sexuell übertragbaren Infektionen müssen je nach Erreger auch Sexualpartner untersucht und mitbehandelt werden. Bis die Therapie abgeschlossen und die ärztlich empfohlenen Kontrollschritte erfolgt sind, kann es sinnvoll sein, auf Geschlechtsverkehr zu verzichten oder konsequent Kondome zu verwenden. Bei gewöhnlichen Pilzinfektionen ist eine Partnerbehandlung hingegen meist nicht routinemässig nötig - sie hängt von Beschwerden und Diagnose ab.


Probiotische Präparate werden häufig zur Unterstützung der Vaginalflora angeboten. Die Studienlage ist je nach Produkt und Anwendungsform unterschiedlich; sie ersetzen keine gesicherte Diagnose und keine wirksame Behandlung. Ob sie in Ihrem Fall eine sinnvolle Ergänzung sein können, sollte individuell besprochen werden.


Was Sie selbst unterstützend tun können


Während akuter Beschwerden kann es helfen, Reizstoffe konsequent wegzulassen und atmungsaktive, nicht zu enge Unterwäsche zu tragen. Wechseln Sie nasse Bade- oder Sportkleidung zeitnah. Verwenden Sie keine Scheidenspülungen und keine parfümierten Intimsprays. Auch Hausmittel wie Joghurt, Essig oder ätherische Öle gehören nicht in die Scheide: Sie können die Schleimhaut reizen und das Mikrobiom weiter verändern.


Bei Schmerzen beim Sex ist eine Pause oft sinnvoll, bis die Schleimhaut abgeheilt ist. Ein offenes Gespräch mit dem Partner oder der Partnerin kann Druck aus der Situation nehmen. Wenn Trockenheit, insbesondere rund um die Wechseljahre, eine Rolle spielt, können befeuchtende oder hormonhaltige lokale Behandlungen nach ärztlicher Beratung die Schleimhaut stabilisieren.


Wann Sie zeitnah einen Termin vereinbaren sollten


Eine gynäkologische Beurteilung ist empfehlenswert, wenn Beschwerden zum ersten Mal auftreten, wiederholt zurückkehren oder nach einer Behandlung nicht deutlich besser werden. Auch übel riechender Ausfluss, Blutungen ausserhalb der Menstruation, Schmerzen im Unterbauch, Fieber, Schmerzen beim Wasserlassen oder Wunden im Intimbereich sollten zeitnah abgeklärt werden.


In der Schwangerschaft sollten neue Beschwerden im Vaginalbereich grundsätzlich angesprochen werden. Nicht jede Veränderung ist gefährlich, doch Infektionen und geeignete Medikamente müssen in dieser Zeit besonders sorgfältig beurteilt werden. Bei starken Unterbauchschmerzen, Fieber, ausgeprägter Blutung oder einem deutlich reduzierten Allgemeinzustand ist eine rasche medizinische Einschätzung erforderlich.


In der Arztpraxis Seeblick nehmen wir wiederkehrende Beschwerden ernst und planen die Abklärung so, dass sie zu Ihrer Lebenssituation passt. Eine präzise Diagnose kann unnötige Therapieversuche vermeiden und schafft die Grundlage für eine Behandlung, die nicht nur Symptome dämpft, sondern mögliche Auslöser mit berücksichtigt.


Sie müssen wiederkehrende Beschwerden nicht hinnehmen und sich dafür nicht rechtfertigen. Je genauer Sie Veränderungen beobachten und je früher eine unklare oder wiederholte Symptomatik fachärztlich beurteilt wird, desto besser lässt sich ein Weg finden, der Ihrer Gesundheit, Ihrem Wohlbefinden und Ihren Wünschen gerecht wird.


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